Je näher wir der Wahrheit sind und je mehr wir von ihrem Zauber ergriffen werden, desto mehr wird sie unser Mittelpunkt, den uns niemand wegschnappen kann. Selbst wenn die Erde Millionen Mal in ein Chaos verfallen und das Universum plötzlich zerstört werden würde, würden sich Menschen, deren Gemüt sicher auf die Wahrheit ausgerichtet ist, niemals ändern oder erschüttern lassen.
Aber wenn ihr nicht darauf vorbereitet seid, diesen Mittelpunkt in eurem Herzen zu akzeptieren, dann könnt ihr die Wahrheit nicht erkennen, wie echt sie auch aussehen würde. Wenn wahres Leben erscheinen würde, würdet ihr es nicht erkennen. Selbst wenn wahre Liebe erscheinen würde, könntet ihr sie nicht verstehen.
Wenn das heutige Christentum nach echter Wahrheit, wahrem Leben und wahrer Liebe sucht, dann muss es sich bis zum Ende vollkommen verleugnen und zu einer Religion werden, die den Mittelpunkt des Gemüts errichtet, den niemand wegnehmen kann.
Als neue Kontinente entdeckt wurden, schien es, als würde sich die Erde langsam vergrößern. Aber jetzt scheint die Erde an jedem Tag kleiner zu werden. In anderen Worten, als die Zivilisation noch nicht entwickelt war, schien die Welt riesig zu sein, aber mit der Entwicklung der Geschichte und der Zivilisation scheint sie langsam kleiner zu werden. In diesem Zusammenhang können wir verstehen, dass die ideale Welt, die durch die Geschichte der Wahrheit verwirklicht wird, dem universellen Zeitalter angehört, in dem alles mit uns direkte Bande knüpft. Unser Standard als Bürger des Himmels – das heißt das Leben und die Liebe des Himmelreiches – muss in uns Früchte tragen. Weil Wahrheit, Leben und Liebe wie eine Familie sind, sollten Liebe und Leben notwendigerweise der Wahrheit folgen. Leben und Wahrheit sollten notwendigerweise der Liebe folgen; und genauso sollten Liebe und Wahrheit dem Leben folgen.
Warum sind Wahrheit, Liebe und Leben miteinander in dieser Weise verbunden? Wie ihr wisst, muss es oben und unten, vorne und hinten und links und rechts geben, damit eine Sache existieren kann. Nichts, was existiert, kann dem Bereich der Zahl drei entfliehen. Das ist die grundsätzliche Ordnung jeder Existenz. Ebenso kommen diese drei Elemente zusammen und bilden die vereinte Form. Wenn aber eine Kraft genau entgegengesetzt wirkt, dann kommt es zu einer Aktion seitens der Kraft, die sich von der ursprünglichen Kraft unterscheidet. Dementsprechend ist Gott der Ursprung der Liebe, des Lebens und der Wahrheit. Aber nach dem Fall haben die Menschen darin versagt, ein Dreieck zu bilden, welches die Liebe, das Leben und die Wahrheit in einem Gleichgewicht hält. Folglich konnte Gott Seinen Willen nicht erfüllen. (2-133, 17.03.1957)
Die Jünger, die Jesus gefolgt sind, glaubten, dass er das Römische Reich auf der Stelle beherrschen und der König von Israel werden würde und dass sie dann hohe Positionen erhalten würden. Solche Dinge sind jedoch nicht wichtig. Zuerst müssen wir das Fundament für Gottes Königreich in unserem Gemüt legen. Ausgerichtet auf dieses Gemüt sollten wir dann das Fundament für die Einheit zwischen unserem Körper und Gott errichten. Das ist die dringlichste Aufgabe. Das Königreich beginnt mit uns. Folglich ist unser Gemüt seine Festung. (47-272, 29.08.1971)
Wo befindet sich die Festung von Gottes Königreich? Viele Christen sagen: „Ich glaube an Jesus, also komme ich in den Himmel.“ Wo ist dann jene Festung? Als Jesus gefragt wurde, wo das Reich Gottes sei, antwortete Jesus: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Wo befindet sich also jene Festung? Kann sie von einem traurigen Herzen oder in einem selbstgefälligen Gemüt, oder in einem Gemüt, das die Gesellschaft verleugnet, geformt werden? Das wäre nicht die Festung mit dem Inhalt, wie wir sie uns wünschen, und nicht die Festung des Himmelreiches, das Gott gutheißen könnte. Menschen, die nach der Festung von Gottes Königreich trachten, müssen mehr als alle anderen in der Welt mit Einsamkeit zurechtkommen. Warum? Da Gott einsam ist, müssen auch sie einsam sein; und da Gott die Geschichte der Unterwerfung durchlitten hat, müssen sie das auch.
Wenn Menschen sich einfach traurig fühlen, bereuen und Tränen der Klage vergießen würden, weil der Himmel und die Erde mit Traurigkeit erfüllt sind, könnte das dann die Festung von Gottes Königreich werden? Selbst das kann es nicht sein. Wenn wir der Kirche dienen, müssen wir entschlossen sein, die Probleme der Sünde und des Bösen in dieser Welt zu lösen, während wir die Zeit herbeisehnen, in der wir mit neuer Freude gesegnet werden. Ohne eindeutig entschlossen zu sein, diese Verantwortung zu tragen, kann die Festung des Himmels nicht existieren.
Einige Menschen behaupten selbstsicher, dass das Himmelreich mit ihnen seinen Anfang nimmt, weil sie gewissenhaft sind und eine respektable soziale Position einnehmen. Dieses Denken gründet sich auf ihr Verständnis, dass Gut und Böse einen gemeinsamen Ursprung haben. Aber Gut und Böse können nicht gleichzeitig beginnen. Wenn das Böse nach Osten geht, dann muss das Gute sich nach Westen wenden, und wenn sich das Böse bewegt, muss das Gute stillstehen. Wenn das Böse einen Wunsch hat, darf das Gute keinen haben. Gut und Böse sind Gegensätze.
Die Suche nach der himmlischen Nation begann an dem Punkt, an dem Gott all Seine Hoffnung in Bezug auf die Welt der Menschen verlor. Darum können Menschen, die mit ihrem gegenwärtigen Leben zufrieden sind, nicht wahrhaft religiöse Menschen sein. Wenn ihr am Kreuzungspunkt von Leben und Tod steht, eine tiefe Verzweiflung spürt und die Bedeutung eurer Existenz in Frage stellt, dann solltet ihr nicht übermäßig an eurem alten Lebensstil hängen. Ihr solltet stattdessen nach neuen Werten suchen und sogar euer Leben verleugnen. Indem ihr auf diese Weise vorangeht, kann das wahre Gute beginnen.
Gibt es von diesem Standpunkt aus betrachtet Menschen, die mit Überzeugung sagen können, dass ihr Charakter eine Festung des Himmels ist? Es gibt niemanden! Es gibt auch niemanden, der darauf bestehen kann, dass seine Familie eine Festung des Himmels ist. Niemand kann behaupten, dass Gott, wenn Er existiert, sagen könnte, dass Er seine Familie anerkennen würde. Kein Stamm kann darauf bestehen, dass Gott ihn wegen seiner guten Leistungen anerkennen muss. Es gibt keine Völker, Nationen, Ideologien oder Philosophien, die Gottes Anerkennung einfordern könnten. Wenn ich darüber nachdenke, bin ich verblüfft. Folglich wird derjenige, der leben will, sterben, während derjenige, der sterben will, leben wird. Was bedeutet das? Diejenigen, die darauf hinarbeiten, sich selbst mehr als ein Jahrtausend lang vor der bösen Welt zu schützen, können einen solchen Traum träumen. Und nur diejenigen, die sich selbst dankbar mehr als zehntausend Jahre lang aufopfern, können darauf hoffen, zehntausend Jahre zu leben.
Ebenso müssen diejenigen, die nach dem ewigen Leben, dem ewigem Glück und dem ewigen Himmelreich rufen, mit der Ewigkeit als Ziel die gegenwärtige Situation überwinden. Sie müssen mit Geduld und Ausdauer den gegenwärtigen Zeitpunkt überwinden und sich dabei aufopfern. Nur aus dieser Haltung heraus kann die ewige Festung entstehen. (47-247, 29.08.1971)
(Rev. Dr. Sun Myung Moon, „Cheon Seong Gyeong“, S. 692-695)
