Die Zeit, wenn der Tod bevorsteht 

Erfolg oder Versagen wird im Leben nicht in Jahrzehnten entschieden, sondern in einem Moment. Verglichen mit der Lebensdauer des Menschen ereignet sich die Geburt nur in einem kurzen Augenblick. Natürlich verbringen wir zehn Monate im Mutterleib, um dann geboren zu werden. Aber diese Zeit ist nur eine Vorbereitung für den einen Moment der Geburt. Wenn das Baby nicht erfolgreich durch diesen entscheidenden Moment gelangt, dann wird es ein tragisches Schicksal erleiden, gleichgültig wie gut die Vorbereitungen während jener zehn Monate auch gewesen sein mögen. Jene zehn Monate ständiger Pflege und Ernährung und ständigen Schutzes sind so konzipiert, dass schließlich der Moment der Geburt gefeiert werden kann. In anderen Worten, diese Periode dient dem Zweck, den Augenblick der Geburt herbeizuführen. Ungeachtet der großen Bedeutung der Schwangerschaftszeit kann ein Fehler im Moment der Geburt tragische Konsequenzen verursachen. (31-184, 31.05.1970) 

Ein Mensch, der seine Vergangenheit in seinem letzten, schicksalhaften Moment auf der Erde bereut, wird alle Details seines Lebens noch einmal als Bilder vor seinem Gemüt vorbeilaufen sehen. Niemand muss ihm erklären, was für ein Mensch er ist, denn er wird es selbst wissen. Die Umstände, mit denen er während seines Lebens, das er von seinen Vorfahren erbte, verbunden war, die Situation, die er zurücklässt, und alles aus seiner Vergangenheit werden im letzten Moment seines Lebens in Form von Bildern vor ihm erscheinen. Ein Mensch, der sagen kann: „Es ist wahr. Ich habe etwas zurückgelassen, was kostbarer als mein Leben ist“, hat ein wertvolles Leben gelebt, wie kurz es auch gewesen sein mag. 

Aber dann gibt es Menschen, die zu sich selbst sagen: „Mein ganzer Lebensweg von der Geburt bis zum Tod war nur eine Zeit, die ich als Passant und Zuschauer verbracht habe.“ Wenn solche Menschen über all ihre vergangenen Situationen nachdenken, werden sie ihre Köpfe schütteln und fühlen, dass sie sich an ihre Vergangenheit nicht erinnern wollen; und somit werden sie als elende Menschen sterben. Das Gegenteil von ihnen sind jene Menschen, deren Gesichter sich mit immer mehr Freude erfüllen, während sie mehr und mehr über ihre Vergangenheit nachdenken; ihre Probleme werden in das Ideal absorbiert und sogar ihre Angst vor dem Tod wird als ein Moment der Trostes gefeiert werden. Wenn wir das Leben in dieser Weise betrachten, können wir Folgendes sehen: Wenn jemand etwas hinterlassen hat, und wenn der Augenblick des Nachdenkens über die Vergangenheit für diesen Menschen kein Moment der Furcht ist, dann werden sich die Vergangenheit und die Realität dieser Person lebendig manifestieren. Ein Mensch mit einer solchen Vergangenheit ist dazu bestimmt, dass ihm alle Menschen einer Nation folgen können und dass er ein Vermächtnis hinterlässt, das dann die ganze Menschheit erben soll. 

Welche Art von Situation bringt diese Möglichkeit hervor? Wenn eine Nation in Zeiten von Not und Unmenschlichkeit mit hartnäckigen Problemen konfrontiert ist und eine Person dann unter Einsatz seines oder ihres Lebens die Verantwortung für die Lösung dieser Probleme übernimmt, dann wird dieser Moment zu einem unvergesslichen Moment in einer Lebensgeschichte. Nicht die Erfahrung, euer Leben während eures Lebenswegs nur für euch selbst riskiert zu haben, sondern die Erfahrung, euren Bruder, eure Verwandten oder andere Menschen unter Einsatz eures Lebens gerettet zu haben, und der Moment, in dem ihr sie erretten musstet, können im letzten, schicksalhaften Augenblick als ein Bild vor euren Augen erscheinen. Die Zeiten des Glücks, die ihr erlebt habt, und die Erfahrung, von vielen Menschen willkommen geheißen und gepriesen worden zu sein, werden auf diesen Moment einen Einfluss haben. 

Auf die Frage, ob wir gut waren, wahrhaftig geworden sind und allein vor Gott stehen können, lautet die Antwort, dass die Wahrheit und das Gute nicht automatisch in uns selbst beginnen oder in uns enden. Nur wenn sie in uns beginnen und in anderen Menschen Resultate zeigen, oder wenn sie in anderen beginnen und in uns Resultate zeigen, kann das Gute zustande kommen. Entsprechend dem Prinzip müssen alle Wesen im Universum in wechselseitige Beziehungen treten. Wenn euer Leben bis jetzt ein Leben des Gebens gewesen ist, dann sollte es für euch auf dem Weg des Todes keine Furcht geben. Eure Vergangenheit wird zu einer glänzenden Vergangenheit werden, wenn ihr alles für andere gebt, für andere opfert und für andere Tränen vergießt, während ihr ein Leben dicht an der Wahrheit führt, während ihr euer Leben für andere investiert, eure Sehnsüchte in anderen findet und all eure Lebenskraft, die von eurem Puls ausgeht, konzentriert, um sie für andere einzusetzen. Wenn ihr euch nach einer solchen Vergangenheit sehnt und an die Nation denkt, dann werdet ihr zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Nation unserer Hoffnung auch eine derartige Nation sein muss. 

Wenn ihr Sehnsucht nach einer solchen Vergangenheit entwickelt, dann werdet ihr für andere opfern und ihr werdet selbst entscheiden können, wie das ursprüngliche Gute sein soll, auf das ihr hofft. Wenn ihr vor Gott tretet, könnt ihr sagen: „Da ich in der Vergangenheit für das Gute gekämpft habe, wird das naturgemäß in der Zukunft Früchte tragen.“ Dieser Inhalt wird zum Fundament für euer ewiges Leben. Der Weg von Heiligen und Weisen und der Weg von gewöhnlichen Menschen sind verschieden. Die Heiligen und Weisen sind diejenigen, die danach trachteten, für die Geschichte, die Welt und die Zukunft zu leben. Gewöhnliche Menschen sind dagegen solche, die danach trachteten, für sich selbst zu leben und die Welt dazu zu bringen, ihnen zu dienen. (31-308, 07.06.1970)

Rev. Dr. Sun Myung Moon, „Cheon Seong Gyeong“, S. 630-632)